Internationaler Sternenpark Rhön

Tausende Sterne: Ein märchenhafter Anblick!
Das Projekt „Internationaler Sternenpark im Biosphären­reservat Rhön“ will die natürliche Nachtlandschaft erhalten.

Eine laue Sommernacht, der ungetrübte Blick auf tausende Sterne und dann noch eine Sternschnuppe: Davon können viele Regionen dieser Welt nur träumen. Oft sorgen Laternen und Leuchten, die ihr Licht nach oben abstrahlen, für eine sogenannte „Lichtverschmutzung“. Der Blick in die Sterne ist dadurch nicht möglich, ein natürlich dunkler Nachthimmel lange Vergangenheit. Die Rhön hingegen besitzt noch große Bereiche mit eben diesem natürlich dunklen Nachthimmel. Die International Dark-Sky Association (IDA) in den USA hat dem UNESCO-Biosphärenreservat Rhön daher 2014 die Anerkennung als „Internationaler Sternenpark Rhön“ verliehen – weltweit gibt es nur neun solcher Dark Sky Reserves.

Das bedeutet: Sterne, Planeten und Mond sind hier besonders gut sichtbar. Ein dunkler Nachthimmel hat aber noch einen weiteren, viel wichtigeren Aspekt: Viele Tier- und Pflanzenarten sind nachtaktiv und daher auf eine dunkle Nacht angewiesen.

Sterne – das älteste Kulturgut des Menschen

Der Sternenpark Rhön vereint viele Partner in der Region: Gebietskörperschaften und Kommunen, Bürger und Gewerbetreibende, den gemeinnützigen Verein und nicht zuletzt die regionalen Energieversorger. „Sie alle tragen zum Erfolg des Sternenparks bei, wenn sie in der Nacht künstliches Licht umweltgerecht einsetzen und damit die Lichtverschmutzung reduzieren. Letztlich ermöglicht uns das einen ungestörten Blick in die Sterne, das älteste Kulturgut der Menschheit“, hebt Sabine Frank hervor. Sie ist die Projektkoordinatorin des Internationalen Sternenparks im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön.

Wenn die innere Uhr aus dem Takt gerät

Licht gilt als Taktgeber der inneren Uhr. Alle Lebewesen haben sich dem Wechselspiel von Tag und Nacht angepasst – auch die Menschen. So kann der menschliche Körper das Schlaf- und Anti-Aging-Hormon Melatonin ausschließlich im Dunkeln produzieren. Dieses Hormon ist entscheidend für die nächtliche Erholung des Körpers und die Stärkung des Immunsystems. Künstliches Licht am Abend oder in der Nacht kann die Melatonin-Ausschüttung drosseln. Licht mit hohem Blauanteil wirkt sich hier besonders negativ aus, vor allem in der Abendzeit. Dadurch kann der natürliche Tag-Nacht-Rhythmus aus dem Takt geraten. Die Folgen für die Tierwelt durch Lichtverschmutzung sind ebenfalls immens: Nachtaktive Insekten, die aus ihrem Naturraum gelockt werden, verenden an hellen Lichtquellen. Folglich fehlen sie als Glied der Nahrungskette für Fledermäuse, Igel & Co. sowie als Bestäuber nacht- und dämmerungsaktiver Pflanzen, beispielsweise der Linde oder des Holunders.

Mehr erfahren...

Die Nacht wird zum Erlebnis

Insgesamt sind drei besonders schützenswerte Kernflächen im Sternenpark Rhön ausgewiesen: die Hohe Geba in Thüringen, die Lange Rhön mit der Wasserkuppe in Hessen und Bereiche der Schwarzen Berge in Bayern. Enorm wichtig für die Anerkennung der Rhön als Internationaler Sternenpark war das Akzeptieren der Beleuchtungsrichtlinien durch die hier ansässigen Kommunen. Neben einem verantwortungsvolleren Umgang mit Licht kommt es auch zu sinnvollen Nebeneffekten, unter anderem zur Energieeinsparung. Der Arbeitsplan der nächsten Monate umfasst die Erstellung von Informationsmaterial, ein Tourismus- und Umweltbildungspaket, weitere Informationsveranstaltungen, Messungen, Überwachung und die Beobachtung von technischen Entwicklungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen. „Das Arbeitsvolumen bleibt hoch“, ist sich Sabine Frank sicher. Schon jetzt wird mit zertifizierten Sternenführern ein umfangreiches Nachterlebnisprogramm angeboten.