Netzwerk Rhönbotanik

Wo Pflanzenliebhabern das Herz aufgeht.
Das Netzwerk „Rhönbotanik“ hat seltene und gefährdete Pflanzen im Blick.

25.000 blühende Küchenschellen auf einem einzigen Kalkmagerrasen? Doch – so etwas gibt es noch, nämlich im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön. Pflanzenfreunde aus ganz Deutschland pilgern deshalb hierher, um solche Naturschauspiele zu beobachten und zu fotografieren. Seit 2004 kümmert sich der Arbeitskreis „Netzwerk Rhönbotanik“ darum, dass solche unbeschreiblichen Erlebnisse auch in Zukunft möglich sind.

Das „Netzwerk Rhönbotanik“ vereint Pflanzenliebhaber und Pflanzenkenner aus der gesamten Region. Inzwischen ist ihre Meinung sehr gefragt – auch die Naturschutzbehörden haben erkannt, wie wichtig ihre Tätigkeit ist und wie wertvoll die Daten sind, die das „Netzwerk Rhönbotanik“ sammelt. Alle Pflanzen werden regelmäßig dokumentiert und ihre Bestände immer wieder kontrolliert.

Europaweit einmalige Artenvielfalt

„Was uns in der Rhön begeistert, ist die Vielfalt der Pflanzen auf kleinem Raum. Von den Bergen bis in die Täler haben wir alpine Flora bis hin zu Pflanzen aus dem Mittelmeerraum. Deshalb erleben Pflanzenliebhaber in der Rhön an einem Tag das, was sie in den Alpen in einer Woche erleben würden“, sagt der Leiter des „Netzwerks Rhönbotanik“, Uwe Barth aus Tann. Vor allem die viel strukturierte Landschaft in der Rhön sorgt für eine deutschland- und teilweise sogar europaweite Einmaligkeit an Artenvielfalt.

Hier geht Pflanzenliebhabern das Herz auf

Seit Jahren ist die Rhön ein Eldorado für Fotografen. In kurzer Zeit bekommen sie viele seltene Pflanzen vor die Linse, welche oft vom Aussterben bedroht sind. Und wer die Silberdistel sehen will, der kommt zuerst in die Rhön, bevor er sich auf den Weg in die Schwäbische Alb oder andere Regionen macht. „Wenn dann auf einem Fleck Hunderte oder Tausende seltene Pflanzen auf einmal blühen, dann geht einem als Pflanzenliebhaber das Herz auf“, schwärmt Uwe Barth.

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Heimat für die „Edelsteine unter den Blumen“

Sie umgibt der Reiz des Seltenen und Besonderen und viele bezeichnen sie sogar als „Edelstein“: die Orchidee. Mit nahezu 50 verschiedenen Arten ist sie im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön vertreten. Ihre Verbreitung ist zugleich Zeugnis für einen sehr guten Zustand der Natur. Nur an zwei Stellen gibt es das besonders seltene Sumpf-Weichblatt. Eine ganz große Rarität ist der Korallen-Wurz. Das Purpur-Knabenkraut ist natürlich auch zu finden.

Wärmeliebende Pflanzen nehmen zu

Die Mitglieder des „Netzwerks Rhönbotanik“ haben festgestellt, dass sich der weltweite Klimawandel auch auf die Pflanzenwelt in der Rhön auswirkt. Gebirgspflanzen gehen eher zurück – sie wandern immer höher, aber irgendwann sind die Berge schließlich zu Ende. Dafür nehmen wärmeliebende Pflanzen zu. Auch diese Daten sind für die Naturschutzverbände und -behörden interessant. „Es ist wichtig, dass möglichst viele Augen auf diese Daten sehen – verborgen in unseren Akten nutzen sie niemand, schon gar nicht den seltenen und gefährdeten Pflanzen der Rhön“, betont Uwe Barth. Das „Netzwerk Rhönbotanik“ verstehe sich daher als ein Scharnier zwischen der Bevölkerung auf der einen und dem amtlichen Naturschutz auf der anderen Seite.