Rhöner Fließgewässer

Der „Ritter der Fließgewässer“ kehrt zurück!
Ein erfolgreiches Wiederansiedlungsprojekt für Edelkrebs, Karausche und Schneider.

Seine Lebensweise ist unauffällig und nahezu heimlich, er sieht bizarr aus und war früher in fast allen Bächen, Flüssen und Seen Europas verbreitet. Die Rede ist vom „Ritter der Fließgewässer“, dem Deutschen Edelkrebs. In der Rhön galt er einst als „Arme-Leute-Essen“ – so viele Exemplare gab es von ihm. Doch er ist nach und nach verschwunden aus Fulda, Haune & Co. Jetzt kehrt er zurück. Im Schlepptau hat er Schneider und Karausche – zwei ebenfalls vom Aussterben bedrohte Fischarten.

„Bei diesen drei Tierarten brennt es wirklich“, sagen die Projektverantwortlichen, Christoph Dümpelmann aus Marburg und Joachim Walter vom UNESCO-Biosphärenreservat Rhön. Die Landschaft sei in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr genutzt worden – das führte zu immer weniger Lebensräumen für den Deutschen Edelkrebs und die beiden Fischarten Karausche und Schneider.

Der Deutsche Edelkrebs: Nahezu ausgerottet

Durch Gewässerverunreinigungen, Gewässerausbau und vor allem durch ausgesetzte amerikanische Krebsarten, beispielsweise aus Aquarien, wurde der Deutsche Edelkrebs nahezu ausgerottet. Der Amerikanische Signalkrebs ist Überträger der Krebspest – eine für den Edelkrebs tödliche Krankheit. Im Jahr 2000 wurde daher ein Wiederansiedlungsprojekt für den Deutschen Edelkrebs in der Rhön ins Leben gerufen.

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„Eines der urtümlichsten Lebewesen“

Nach vier Jahren Besatz und viel ehrenamtlicher Arbeit konnte ein Teilerfolg erreicht werden: Es gelang die Vermehrung aus einem eigenen Bestand heraus. „Das Projekt bietet die Möglichkeit, den Fortbestand eines der urtümlichsten Lebewesen zu bewahren. Es ist zugleich der erfolgreichste Wiederbesiedlungsversuch im Lebensraum Wasser der hessischen Rhön“, schätzt Christoph Dümpelmann ein.

Die Karausche – eine gefährdete Fischart

Eine der seltensten Fischarten Hessens ist die Karausche. Bundesweit gilt sie als gefährdet. Seit 2010 laufen im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön Wiederansiedlungsversuche. Auch hier ist der „Arbeitskreis Rhöner Fließgewässer“ mit den Angelvereinen Tann, Hünfeld, Rothemann und Petersberg aktiv. Die Karausche lebt vorwiegend in Teichen – im Gegensatz zum Schneider oder zum Deutschen Edelkrebs ist sie nicht so anspruchsvoll, was die Wasserqualität betrifft.

Der Schneider gilt als ausgestorben

Im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön gilt der Schwarmfisch Schneider – früher mit bis zu 26 Prozent die am meisten verbreitete Art in hessischen Bächen und Flüssen – als ausgestorben. Die letzten Nachweise liegen viele Jahrzehnte zurück. Für den Menschen hat er direkt keine Bedeutung, er ist kein Speisefisch. Allerdings bildet er für viele Raubfische eine Nahrungsgrundlage. Er hat im Gegensatz zur Karausche große Ansprüche an die Wasserqualität und besiedelt nur unverschmutzte und gut mit Sauerstoff versorgte Bereiche innerhalb eines Gewässers.

Ehrenamtliche Arbeit als Garant für Erfolg

„Wir werden es kaum erreichen, flächendeckend eine Wiederbesiedlung unserer Gewässer mit Edelkrebs, Karausche und Schneider zu erzielen. Dafür ist die intensive Nutzung der Landschaft und der damit verbundene Einschnitt in die Lebensräume zu hoch. Aber wir können es aus heutiger Sicht schaffen, Teilbereiche erfolgreich wieder zu besiedeln“, sagt Christoph Dümpelmann. „Dazu brauchen wir aber auch in Zukunft die Unterstützung der Angelvereine vor Ort, der Oberen Fischereibehörde und des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Die ehrenamtliche Arbeit ist ein Garant für den Erfolg und damit unerlässlich.“