Rhöner Quellen

Geheimnisvoll und voller Leben.
Das Projekt „Quellen der Rhön“ schützt und erhält einen sehr sensiblen Lebensraum.

Keiner wusste früher, was für Geheimnisse eigentlich so alles in einer Rhöner Quelle stecken. Heute sind die Rhönquellschnecke, der Alpenstrudelwurm oder der Höhlenkrebs selbst bei Kindern und Jugendlichen bestens bekannt. Welchen Schatz der Lebensraum Quelle wirklich beherbergt, wird seit 1996 im Rahmen des Projekts „Quellen der Rhön“ im UNESCO-Biosphärenreservat erforscht. Nach und nach lüften ehrenamtliche Quellen-Forscher die Geheimnisse – und von Mal zu Mal entdecken sie Neues.

Rund 10.000 Quellen soll es im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön geben – dies ist nur eine Schätzung. Bislang sind von ihnen rund 3.000 erforscht und kartiert, also in einem Kataster eingetragen. „Oft sind Quellen nur ein bis zwei Quadratmeter groß – aber in diesen Bereichen gibt es sehr viele ganz seltene Tierarten“, sagt Stefan Zaenker, Vorsitzender des Landesverbands für Höhlen- und Karstforschung Hessen e.V. Er ist der Projektbetreuer und im Auftrag des UNESCO-Biosphärenreservats Rhön mit vielen Helfern unterwegs, um die Quellen zu erforschen.

2.000 verschiedene Tierarten leben in Rhöner Quellen!

Insgesamt wurden bislang fast 2.000 verschiedene Tierarten in den Rhöner Quellen festgestellt, darunter die Rhönquellschnecke als äußerst seltene Art, die es nur in der Rhön und in wenigen Teilen des Vogelsberges gibt. Hinzu kommen Höhlenkrebse, Alpenstrudelwürmer, Quellköcherfliegen, Muschelkrebse oder Ruderfußkrebse. Diese und viele andere Arten benötigen die Rhöner Quellen, um überleben zu können. Dazu gehören beispielsweise seltene Zwergspinnenarten, der Feuersalamander, der Grasfrosch oder die Zwergschnepfe.

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Natürliche Quellen sorgen für Vielfalt

Die meisten Rhöner Quellen sind noch sehr naturbelassen, weil in der Region schon seit Jahrzehnten aktiver Naturschutz betrieben wird. Eine einzige Quelle kann bis zu 200 verschiedene Tierarten aufweisen – und das auf engstem Raum. „In den naturnahen Quellen, in denen es von Moos bewachsene Steine, Laub und einen sandigen Untergrund gibt, finden wir in der Regel die meisten Arten. Das fängt bei der Rhönquellschnecke und dem Alpenstrudelwurm an, geht über Steinfliegenlarven bis hin zu Bachflohkrebsen und Wasserläufern“, betont Zaenker.

Das absolute Highlight: eine Quellen-Exkursion

Regelmäßig lädt das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön zu Vorträgen und Führungen über Rhöner Quellen ein. Sie sind stets gut besucht. Vor allem für Kinder ist es ein absolutes Highlight, mit Becherlupe und Fangnetz auf Exkursion zu gehen. „Wir müssen die Menschen für diesen ganz besonderen Lebensraum sensibilisieren. Denn dann verstehen sie auch, wie wichtig unsere ehrenamtliche Tätigkeit ist“, sagt Stefan Zaenker, der inzwischen auch außerhalb der Region ein gefragter Mann ist, wenn es um die Erforschung von Quellen geht.

„Quellen der Rhön“: Bundesweit ein einmaliges Projekt

„Quellen sind Schnittstellen zwischen dem unterirdischen und dem oberirdischen Lebensraum“, erklärt Zaenker. Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön habe deshalb bereits schon vor 20 Jahren erkannt, wie wichtig der Lebensraum Quelle ist und diese groß angelegte Quellenkartierung in Auftrag gegeben, die es bundesweit nicht noch einmal gibt. Unterstützung bekommen die ehrenamtlichen Quellen-Forscher unter anderem vom Forstamt Hofbieber: Das hat eine Patenschaft für die Rhöner Quellen in seinem Einzugsbereich übernommen. Wie lange die Erforschung der Rhöner Quellen noch dauert, kann Zaenker nicht genau sagen. „Auf jeden Fall liegt noch sehr viel Arbeit vor uns. Und ich bin mir sicher, dass wir noch so manches Geheimnis lüften.“