Schutzprojekt Fledermäuse

Heimat für die stillen Jäger der Nacht.
Das Schutzprojekt „Fledermäuse“ setzt sich für Erhalt einer strukturreichen Landschaft ein.

Wie kaum ein anderes Tier gilt die Fledermaus immer noch als geheimnisvoll und sagenumwoben. Ihr werden sogar magische Kräfte zugeschrieben. Der alte Aberglaube, welcher mit ihr verbunden ist, hält sich hartnäckig. Heute stehen alle einheimischen Fledermausarten auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere in Deutschland. In der Rhön finden sie noch das, was sie brauchen: eine naturnahe und strukturreiche Landschaft. 2002 wurde im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön das „Schutzprojekt Fledermäuse“ ins Leben gerufen – die Bestände haben sich seitdem wieder stabilisiert.

In den letzten Jahrzehnten verursachten unter anderem die Flurbereinigung und die Intensivierung der Holzeinschläge in den Wäldern einen starken Rückgang des Nahrungsangebotes und der Baumhöhlenquartiere für Fledermäuse. Hinzu kam der starke Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft. Durch giftige Holzimprägnierungen an Dachböden und Außenverschalungen verschwanden ganze Fledermauskolonien.

Zwölf Fledermaus-Arten überwintern in der Rhön

In der Rhön sind heute zwölf verschiedene Arten von Fledermäusen als sogenannte „Überwinterungsgäste“ sicher nachgewiesen. Hinzu kommen weitere fünf Arten, die im Sommer ihre Jungen hier aufziehen – beispielsweise in Baumhöhlen abgestorbener Bäume oder auf Streuobstwiesen. Große Bedeutung für den Fortbestand der Fledermäuse hat der Erhalt der Winterquartiere. Das sind in erster Linie alte Felsenkeller oder Bergwerksstollen.

Eine einzige Fledermaus vertilgt 5.000 Mücken pro Nacht

Im UNESCO-Biosphärenreservat Rhön sind die ehrenamtlichen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für Fledermausschutz Fulda e.V. mit dem Schutz der einheimischen Fledermäuse beauftragt. „Eine Hauptaufgabe wird es sein, den Lebensraum der Fledermäuse auf Dauer zu schützen. Im Sommer sind sie an naturnahe, strukturreiche Wälder mit ausreichendem Alt- und Totholz angewiesen. Dort finden sie viele Baumhöhlen, in denen sie ihren Tagschlaf halten und die Jungen aufziehen können“, erklärt Projektkoordinator Harald Auth aus Flieden. In einer Nacht kann eine nur sieben Gramm schwere Fledermaus bis zu 5.000 Mücken vertilgen. Alle europäischen Fledermausarten ernähren sich ausschließlich von Insekten – sie sind die stillen Jäger der Nacht.

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Pflege der Winterquartiere als Schwerpunkt

Die ehrenamtlichen Helfer für das „Schutzprojekt Fledermäuse“ verbringen sehr viel Zeit damit, die Winterquartiere der Fledermäuse in Ordnung zu halten oder neue Winterquartiere herzurichten. Hinzu kommt das Beobachten und Dokumentieren des Bestandes. 37 solcher Winterquartiere werden im Landkreis Fulda regelmäßig kontrolliert. Neben den alten Felsenkellern und Bergwerksstollen sind das Naturhöhlen, frostfreie Baumhöhlen, Felsspalten, Gebäudequartiere und der Milseburgtunnel.

Seit über 50 Millionen Jahren in der Region

Als Sommerquartiere bevorzugen Fledermäuse geräumige Baumhöhlen, große Dachstühle von Gebäuden sowie schmale Spalten an Häusern oder Mauern. Ihr Jagdrevier befindet sich in ganz verschiedenen Biotopen. Das können Wälder, Wasserläufe, Teiche und Feuchtgebiete, Parks und Gärten, Streuobstwiesen und sogar Siedlungen sein. „Wichtig ist nur, dass die Landschaft struktur- und insektenreich ist. Wir wollen mit unserem Schutzprojekt dazu beitragen, dass die Rhön auch in Zukunft ein Lebensraum für Fledermäuse ist. Übrigens: Fossilfunde von Fledermäusen belegen, dass diese Tiergruppe schon vor mehr als 50 Millionen Jahren unsere Region besiedelt hat“, betont Harald Auth.